Notizen aus Psychotherapie und Forschung

Hier stellen wir sporadisch kurze Informationen und Hinweise auf aktuelle Themen und Publikationen ein, die uns interessant erscheinen, für deren Inhalt und Richtigkeit wir aber keinerlei Haftung übernehmen (siehe Disclaimer).

Weitere interessante Infos finden Sie auch auf unserer Facebook-Seite!

PubPsych – ein neues Open Access Psychologie-Suchportal

 

PubPsych, ein neues Psychologie-Suchportal mit europäischem Schwerpunkt, steht ab sofort weltweit kostenlos für Wissenschaft, Praxis und Öffentlichkeit zur Verfügung. PubPsych bietet einen breiten und fundierten Überblick über psychologisches Wissen und wird unter Federführung des Leibniz-Zentrums für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) an der Universität Trier von kooperierenden europäischen und amerikanischen wissenschaftlichen Informationsanbietern bereitgestellt.

 

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Schnelltest für Depressionen

 

Der Leidensdruck für Menschen mit Depressionen ist enorm hoch. Es ist deshalb wichtig, Depressionen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Ein Schnelltest, entwickelt von einer Forschergruppe am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, soll nun Allgemeinmedizinern die Erkennung erleichtern.

 

Weitere Infos.

Psychotherapie bietet Schutz vor Flucht in die Einsamkeit

 

Soziale Phobie ist die häufigste Angststörung in Deutschland. Etwa zwei Prozent der Bevölkerung leiden darunter. Meist ziehen sich die Betroffenen bereits im Jugendalter von Sozialkontakten zurück. Sie haben geradezu panische Angst davor, schlecht beurteilt zu werden oder in peinliche Situationen zu geraten. Deshalb vermeiden sie es, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen. Das führt oft zu erheblichen privaten und beruflichen Problemen und in extremen Fällen zu Vereinsamung. 

Mit einer der weltweit größten Studien zu diesem Thema haben deutsche Wissenschaftler nun herausgefunden, dass Kurzzeit-Psychotherapie ein wirksames Mittel gegen die Angst vor Menschen ist. Diese Wirkung hält selbst zwei Jahre nach Ende der Psychotherapie noch an.

 

Weitere Infos:

Leichsenring et al. (2013): Psychodynamic Therapy and Cognitive-Behavioral Therapy in Social Anxiety Disorder: A Multicenter Randomized Controlled Trial. Am. J. Psychiatry 170, 759-767. 

Selbstbeschränkung unterstützt Willenskraft

 

Wissenschaftler aus Cambridge und Düsseldorf haben untersucht, wie man einer schnellen Versuchung widerstehen kann: Willenskraft allein ist ein schlechter Helfer. Man sollte sich besser von vorneherein selbst beschränken, also Versuchungen gar nicht erst an sich heran lassen. Sie beobachteten dazu in einem Experiment die Hirnaktivität von Männern, die sich erotische Bilder anschauen konnten. 

Besonders willensschwache Personen sollten sich verstärkt diese Strategie zu eigen machen, wenn es darum geht, erfolgreich Versuchungen zu widerstehen – egal, welcher Art. Denn die Wissenschaftler betonen, dass die Ergebnisse ihrer Studie nicht auf das spezielle erotische Setting ihrer Studie beschränkt sind. Sie gelten generell, wenn es darum geht, Versuchungen zu widerstehen. Vergleichbare Szenarien sind Diäten – man sollte die Kekse verstecken lassen, um den Drang zur Kekspackung zu unterbinden – oder auch Facebook: kein Smartphone in Reichweite hilft, einmal wieder reale Freunde zu treffen. 

 

Weitere Infos:

Crockett et. al. (2013): Restricting Temptations: Neural Mechanisms of Precommitment. Neuron 79, Issue 2, S. 391.

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Multitasking und Leistung

 

Multitasking und Arbeitsunterbrechungen belasten die Beschäftigten und verschlechtern die Qualität ihrer Arbeit, so eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Doch dass beides nicht zum Arbeitsalltag gehören muss, erklärt jetzt der Forschungsbericht „Auswirkungen von Arbeitsunterbrechungen und Multitasking auf Leistung und Gesundheit“. Die Studie zeigt, wie störend Arbeitsunterbrechungen und Multitasking sind, unabhängig vom Alter der Betroffenen. Bereits mit kleinen, häufig kostenneutralen Maßnahmen in der Arbeitsgestaltung lässt sich jedoch die Situation verbessern.

 

Die Studie kann hier heruntergeladen werden.

Mythen der Psychologie

 

Dauerhafte Partnerschaften kommen häufig nach dem Prinzip "Gegensätze ziehen sich an" zustande. Psychologische Alltagsmythen wie dieses kursieren hartnäckig, obwohl sie falsch sind oder zumindest in den meisten Fällen nicht zutreffen. So gilt für die meisten Partnerschaften "Gleich und Gleich gesellt sich gern", wie Forscher gezeigt haben. Die Psychologie-Online-Plattform "PsyWeb", an der Wissenschaftler mehrerer Hochschulen beteiligt sind, klärt über gängige Falschvorstellungen auf. 

 

Der Weg zu PsyWeb.

Hundertjährige: Psychologische Stärken wichtiger als Gesundheit oder geistige Fitness

 

In Deutschland hat sich die Zahl der Hundertjährigen innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. Dass diese Hochaltrigen heute geistig und körperlich fitter sind als diejenigen früherer Generationen, belegt eine repräsentative Untersuchung von Forschern der Universität Heidelberg mit Menschen im Alter von 100 Jahren. Mit der Zweiten Heidelberger Hundertjährigen-Studie haben Wissenschaftler des Instituts für Gerontologie ein umfassendes Bild von Hundertjährigen und ihrer Lebenssituation ermittelt. Dabei hat sich gezeigt, dass für die Lebensqualität und Zufriedenheit von Senioren mit sehr hohem Alter psychologische Stärken wichtiger sind als die geistige Leistungsfähigkeit oder Gesundheit.

 

Weitere Infos: Hier.

Die Struktur der Psyche - Wir sind alle multiple Persönlichkeiten

 

»Wer bin ich, und wenn ja…wie viele?«, dies ist nicht nur der Titel eines Bestsellers von Richard David Precht, sondern auch Grundlage und Wirkprinzip eines neuen Denkens in der Psychotherapie und im Coaching. Nicht nur traumatisierte Menschen oder multiple Persönlichkeiten machen die Erfahrung des ambivalenten und widersprüchlichen Selbst, auch wir normale Menschen haben es mit Teilpersönlichkeiten wie dem »inneren Kind«, dem »inneren Kritiker« oder dem »inneren Saboteur« zu tun.

 

Zu einem sehr schönen einführenden Artikel geht es  hier.

35 Milliarden Pillen pro JahrIst Deutschland tablettensüchtig?

Hohe Gefahr von Medikamenten-Wechselwirkungen

 

Ärzte in Deutschland greifen schnell zum Rezeptblock: 626 Millionen Mal in einem Jahr, so weist es der Arzneimittelverordnungsreport 2012 nach. Tabletten nicht als letzter Ausweg, sondern als erster Schritt, der weiterhelfen soll. Wer, was und wie viel verschreibt, darüber geht der Überblick verloren.

Ausdauersportarten können abhängig machen

 

Sie üben Sport geradezu zwanghaft aus und verspüren den Drang, sich täglich zu bewegen: Sportsüchtige kennen kaum Grenzen. Sie riskieren nicht nur den Kontrollverlust, sondern setzen ihre eigene Gesundheit aufs Spiel. Unabhängig vom Alter oder Geschlecht: Wer eine Ausdauersportart wie zum Beispiel Triathlon, Laufen oder Radfahren betreibt, läuft Gefahr, an einer Sportsucht zu erkranken. Das haben Sportwissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und der Universität Halle-Wittenberg in einer Studie nachgewiesen, für die 1089 Athletinnen und Athleten befragt wurden.  4,5 Prozent der untersuchten Sportlerinnen und Sportler waren sportsuchtgefährdet.

 

Weitere Informationen: Hier.

Wirksamkeit von Systemaufstellungen nachgewiesen

 

",,Systemaufstellungen'' wirken, davon waren die Praktiker schon immer überzeugt. Wissenschaftler hingegen waren eher skeptisch, auch wenn szenische Darstellungen und Aufstellungen in der Familientherapie und der systemischen Therapie eine lange Tradition haben. ... Am Institut für Medizinische Psychologie des Universitätsklinikums Heidelberg sind „Aufstellungen“ erstmals in einer randomisiert-kontrollierten Studie untersucht worden. Die ersten, jetzt veröffentlichten Ergebnisse der Studie zeigen positive Auswirkungen von Systemaufstellungen auf die psychische Gesundheit."

 

Weitere Informationen:

Jan Weinhold, Christina Hunger, Annette Bornhäuser, Jochen Schweitzer (2013): Wirksamkeit von Systemaufstellungen: explorative Ergebnisse der Heidelberger RCT-Studie. Familiendynamik Heft 1/ 2013, S. 42-51

sowie hier

Streßreport 2012

 

Aus dem Fazit:

Mit den Ergebnissen der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2011/2012 (BB-ETB) konnte gezeigt werden, dass sich viele Merkmale arbeitsbedingter psychischer Belastung nach wie vor auf hohem Niveau befinden, wenn auch – zumindest in den letzten fünf Jahren – keine Zunahme zu verzeichnen ist. Vor allem die Arbeitsmerkmale ‚verschiedenartige Arbeiten gleichzeitig betreuen’, ‚starker Termin- und Leistungsdruck’, ‚ständig wiederkehrende Arbeitsvorgänge’, ‚Störungen und Unterbrechungen’ sowie ‚sehr schnell arbeiten müssen’ sind nach Angabe der Erwerbstätigen nach wie vor weit verbreitet. Aussagen dazu, in welchem Umfang sich die Befragten durch diese Anforderungen belastet fühlen, zeigen zwar ebenfalls nur wenige Veränderungen seit 2005/2006. Allerdings ist bei zwei der am meisten verbreiteten Anforderungen – ‚starker Termin- und Leistungsdruck’ und ‚sehr schnell arbeiten müssen’ – ein Anstieg in der subjektiv empfundenen Belastung zu verzeichnen. Ungefähr gleich geblieben ist gemäß der BB-ETB die durchschnittliche Arbeitszeit. Nicht vernachlässigt werden sollte dabei aber der Befund, dass fast die Hälfte der Beschäftigten mit Vollzeitvertrag tatsächlich mehr als 40, rund ein Sechstel sogar mehr als 48 Stunden pro Woche arbeitet. Da überrascht es dann auch nicht, dass es mehr als 40 Prozent der Befragten nach eigener Aussage nie oder nur manchmal gelingt, bei der Arbeitszeitplanung auf familiäre oder private Interessen Rücksicht zu nehmen.

 

Weitere Informationen:

A. Lohmann-Haislah (2012): Stressreport Deutschland 2012 - Psychische Anforderungen, Ressourcen und Befinden.
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund/Berlin/Dresden.

Das Alter und der positive Blick auf sich selbst

 

"Das höhere Lebensalter ist gemeinhin durch zahlreiche Einbußen gekennzeichnet, etwa auf körperlicher Ebene durch Krankheiten, auf kognitiver Ebene mit abnehmendem Erinnerungsvermögen oder auch auf sozialer Ebene etwa durch den Verlust vom Ehepartner oder engen Freunden. „Die bisherige Forschung hat gezeigt, dass Menschen sich in der Regel an diese Herausforderungen sehr gut anpassen können, jedoch im sehr hohem Lebensalter und insbesondere in den letzten Jahren vor dem Tod das System Mensch immer stärker an seine Grenzen der Anpassungsfähigkeit kommt“, sagt Denis Gerstorf, Professor für Entwicklungs- und Pädagogische Psychologie an der HU. So konnten Studien zur Lebenszufriedenheit verdeutlichen, dass nicht das Alter an sich zu einer Abnahme der Anpassungsfähigkeit führt, sondern die Nähe zum Tod mit einer solchen verbunden ist. Es wird angenommen, dass in den letzten Jahren vor dem Tod der Mensch mit so vielen Herausforderungen konfrontiert ist, dass ein Ausgleich nicht mehr möglich und eine Abnahme der Zufriedenheit demnach unausweichlich ist. Gilt dies auch für die Bewertung und Zufriedenheit mit der eigenen Person?

 

Auch im hohen Lebensalter scheinen Menschen in der Lage zu sein, sich selbst in einem positiven Licht zu sehen und dementsprechend zu bewerten – dies ungeachtet zahlreicher Herausforderungen und Einbußen, die ein hohes Lebensalter mit sich bringt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die Wissenschaftler des Instituts für Psychologie gemeinsam mit Wissenschaftlern der University of British Columbia, Kanada und der Flinders University, Australien kürzlich im Journal of Personality and Social Psychology veröffentlicht haben."

 

Weitere Informationen
Wagner, J., Gerstorf, D., Hoppmann, C., & Luszcz, M. A. (2013). The nature and correlates of self-esteem trajectories in late life. Journal of Personality and Social Psychology, No Pagination Specified. doi: 10.1037/a0032279.

Wenn sich die Gedanken im Kreis drehen

 

Wieso bin ich solch ein Versager? Wie kommt es, dass die anderen mich nicht mögen? Wer grübelt, findet nicht nur schwer aus diesen negativen Gedanken heraus. Grübeln erhöht auch das Risiko, depressiv zu erkranken oder rückfällig zu werden. Auf Grundlage dieser Erkenntnis haben Psychologen vom Zentrum für Psychotherapie Bochum (ZPT) eine Behandlung entwickelt, mit deren Hilfe Grübeln verhindert oder beendet werden soll.

Weitere Infos:
Wenn sich Gedanken im Kreis drehen.pdf
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P.S.: Verschiedene Methoden der Meditation (z.B. Samatha, Vipassana) helfen seit mehr als 2000 Jahren lernbereiten Menschen sehr effektiv gegen Gedankenkreisen - und nicht nur dagegen.